Kategorie: Galerie

Die Literatenrunde hatte zur Klappstuhllesung eingeladen: Wer sitzen mochte, sollte einen Klapp- oder Liegestuhl, eine Luftmatratze oder ähnliches mitbringen und vielleicht auch etwas zu essen oder trinken. Und jetzt um kurz vor sieben gruppierten sich buntgestreifte Strandhandtücher, ein grüner Jumbositzsack, Isomatten, Decken, Holzhöckerchen und Klappstühle jedweder Machart im Schatten des riesigen Ahorns vor der Albtalkapelle. Gut 60 neugierige Besucher umrahmten den durch eine blaue Decke mit weißen Sternen markierten Mittelpunkt der Lesung, die außer der Kreativität der Mitwirkenden kaum weitere Hilfsmittel benötigte. Manuela Schur (Gitarre) und Marius Göhringer (Mandoline) entlockten ihren akustischen Instrumente virtuose Klänge, die vom abendlichen Sommerwind mit zauberhafter Naturdynamik veredelt bis in die letzte Reihe getragen wurden, begleitet vom Rascheln der Blätter und gelegentlichen Glockenschlägen. Auch Ekkehard Meyer und Gisela Naumann verschafften sich mit ihren Stimmen und Geschichten vom ‚Liebenswerten Chaot‘ und ‚Uschis Sommerferien‘ noch unverstärkt Gehör, bis zunehmender Wind und ein inzwischen gefundenes Verlängerungskabel den Einsatz der mobilen Lautsprecheranlage erforderlich und möglich machten. Birgit Heneka konnte ihre Geschichte ‚Der kleine Wolf‘ und Hermann Schmitthenner den ‚Bienenunfall‘ bereits mit Mikrofonverstärkung vortragen, und der Wind nurmehr durch abendliche Kühle Aufmerksamkeit erlangen. Das Geschehen nahm Rhythmus auf, jeweils zwei Lesungen wurden von einem musikalischen Vortrag umrahmt, Kronkorken schnalzten und Fließjacken schützten erste Fröstelnde vor abendlicher Kühle. Fritz Kölling stellte alle Lesenden kurz vor, zunächst noch Rabenstern und ihr Stück ‚Der Präparator‘ und las dann selbst ‚Die Hochzeit mit den Großeltern‘. Einige Besucher hatten sich inzwischen auf den Rücken gelegt und spürten wohl noch die Wärme der letzten Sonnenstrahlen im Gras, sahen den verblassenden Himmel und hörten im Rauschen des Windes den Zauber der Worte, erdacht und vorgetragen einmal nicht von professionellen Schriftstellern und Schauspielern, sondern von Mitgliedern der Literatenrunde Karlsruhe. Am Schluss Frank Diedrich mit Beobachtungen ‚Im Speisesaal‘ und Franziska Joachim mit einer Dichtung in schwäbischer Mundart, und dann noch einmal Mandoline und Gitarre mit einem flotten Ragtime.

Ein Abend mit Ideen, Entdeckungen, Erfahrungen, Erlebnisse, so bunt gedichtet und vorgetragen wie diese durch ihre Freude am Zuhören vereinte Runde. Es muss für alle schöne gewesen sein, fand sich doch am Ende noch ein Strohhut, der klingender Münze und raschelnden Scheinen eine neue Heimat gab. Bereits vorher ließen herzlicher Applaus und immer wieder Lacher erkennen, dass die Darbietungen einigen wohl ganz gut gefallen hatten.

Alle sind bis zum Schluss dageblieben, obwohl es keine Türen gab. Manche kamen extra noch einmal nach vorne zur blauen Decke, wo die Lesenden sich an einer gemeinsamen Abschiedsverbeugung versuchten, um zu sagen, wie gut es ihnen gefallen hatte. Das ist doch das höchste Vergnügen für einen Autor. Und wenn er kein Profi ist, auch das einzige ­– außer dem Schreiben selbst. An alle, die dabei waren: kommt wieder, im nächsten Jahr an gleicher Stelle. Oder noch besser: zum Mitmachen in die Literatenrunde. Zweimal im Monat im BKK Künstlerhaus.

Nach einem Roman-Workshop mit Andreas Kirchgässner (Samstag 15.12.2018, 10-17 Uhr) setzt die Literatenrunde ihr Fortbildungsprogramm am 11.5.2019 mit dem Tages-Schreibworkshop „Kreatives Schreiben“ mit Sonja Rudorf aus Frankfurt fort.
Angeleitet von der studierten Germanistin ging der Tag leicht, beherzt und mit viel Freude am Schreiben im Keller des BBK schnell vorbei. Dabei waren es weniger theoretische Impulse als intuitive Übungen, über welche die sieben Teilnehmer*innen an die Textentwicklung herangeführt wurden. So wurde aus einem chinesischen Gittergedicht, welches nur aus 4 x 4 Begriffen bestand, im Handumdrehen wunderbare Lyrik. Überhaupt boten gerade die „Lücken“ Gelegenheit, Schreibblockaden zu überwinden, weil sie mehr Fragen aufwerfen für neue Wendungen und Bedeutungsverschiebungen. Von der Mikrowelt ausgehen, in der sich Großes verbirgt, war ein Leitfaden; mehr Mut haben zum Konkreten, zum bedeutungsvollen Kleinen. Beim Detail kommt es auf die Linie an (Silhouette, nicht das Banale zählt) und beim Konkreten aufs sinnliche Schreiben. Und die Wirklichkeit ist unsere größte Inspirationsquelle. Zum Schluss gab einige interessante Tipps für weitere Lektüre und Inspirationsquelle (www.salamisounds.de)
Teilgenommen haben Herrmann Schmitthenner, Frank Diedrich, Walter Bernotat, Julia Bernotat, Franziska Joachim, Fritz Kölling, Abier Bushnaq.

Sonja Rudorf wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und schloss mit dem Magisterexamen ab. Durch ein Werkstattstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin ermuntert, begann sie mit der Arbeit an ihrem ersten Roman, der im Februar 2000 unter dem Titel “Die zweite Haut” bei Rotbuch erschien. Es folgten Erzählungen und weitere Romane. Sonja Rudorf lebt als Schriftstellerin und Dozentin für Kreatives Schreiben in Frankfurt am Main. Sie gibt an der VHS Frankfurt/Main, in Kindertagesstätten, in Schulen, für Lesevereine und im Atelier “18 Eichen” Kurse für Kreatives Schreiben.
http://www.sonja-rudorf.de/

Fotobericht von der Krimiwanderung

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